Zusammenhänge

 

Viele Menschen sind überzeugt davon, dass ihre Weltanschauung, ihre persönlichen Belange und Probleme nebst den Beweggründen für ihr Handeln nicht in den Rahmen ihrer eigenen Verantwortlichkeit gehören, sondern fremdgesteuert und/oder schicksalsgebunden sind. 

Dieser Überzeugung widersprechen allerdings die tiefe Besorgnis und der mitunter heftige Unmut der Betroffenen, wenn ihr Leben nicht so verläuft, wie sie es sich gewünscht, meist auch schon vorgestellt und demnach erwartet hatten. Die Besorgnis oder der Unmut werden dann gerne dorthin delegiert und überantwortet,, wo sie ihrer Ansicht nach hergekommen sind: in dritte und letztendlich dafür verantwortliche Hände.

Diese Haltung wird ungemütlich, wenn jemand anderes das Bild, das diese Menschen von sich selbst haben, in Frage stellt und dazu auch noch Belege vorlegen kann. Gänzlich unverträglich wird es, wenn die Kritik in Form von Vorwürfen geäußert und von Schuld geredet wird. Der Betroffenen fühlt sich angegriffen und in seiner eigenen Zuständigkeit und seiner Selbstwirksamkeit verletzt, einer Zuständigkeit und Selbstwirksamkeit, die er auf der anderen Seite ablehnt und an andere Instanzen delegiert.

Die Verleugnung beziehungsweise Ablehnung der Eigenverantwortlichkeit ist an sich eine unbewusste, in ihren Wurzeln kulturell erworbene und von Glaubenssätzen unterstützte Strategie. Die aktive Verdrängung wird allerdings von bewussten und meist reflektierten Maßnahmen und bewährten Gewohnheiten unterstützt und wächst zu einem nachhaltigen Verhaltensmuster.

Das Hintanstellen und  Hinauszögern von Lösungen bringen es zwingend mit sich, dass sich das Unerledigte auf einem Haufen summiert. Dieser Haufen wird durch die Verleugnung und Ablehnung sozusagen unter den Teppich gekehrt. In diesem "metaphorischen Haufen" geschieht Ähnliches wie in einem Haufen von organischem Abfall. In der Verbindung (Beziehung) und Verfilzung der verdrängten Probleme entwickeln sich Gärungs- und Fäulnisprozesse. Bei diesen Prozessen vernetzen sich die verschiedenartigsten  Aspekte der verdrängten Menge in- und übereinander, wirken  gegenseitig aufeinander und infizieren sich interaktiv.

Die sich aus diesem Fäulnis- oder Recycling-Prozess erhebenden Gase wirken zurück auf unser Gemütsbefinden und darüber hinaus auf die neurologischen und physiologischen Abläufe. Diese beeinflussen ihrerseits den Organismus, so dass irgendwann und irgendwo physische oder organische Symptome auftreten: eine psychosomatische Re-Aktion.

Dabei handelt es sich nicht zwingend um schwere Krankheiten oder Störungen, die den Alltag beziehungsweise ein adäquates Funktionieren in der Gesellschaft unmöglich machen. Sie sind nichtsdestoweniger dazu angetan, das Verhalten des Betroffenen mittel- bis langfristig zu stören und zu seinen Ungunsten zu verändern. Durch Akkumulieren von vielen kleinen Störungen entwickelt sich mitunter eine viel komplexere Störung, die in einer regelrechten Krankheit münden,  bzw. sich in einem Syndrom-artigen Krankheitsbild  äußern kann.

Im menschlichen Organismus und in seinem Seelenleben geht nichts nur in eine Richtung. Ausnahmslos alles unterliegt einer dauernden, wenn auch unterschiedlich starken und für uns nur sehr schwer überschaubaren interdependenten Wirkung.

Nichtsdestotrotz sind wir in der Lage, diese Wirkung wahrzunehmen (zu spüren), auzudröseln und zu unseren Gunsten und zu unserem Wohl auf sie einzuwirken. Das geht allerdings nur, wenn wir uns unserer selbst bewusst werden, das heißt, dass wir uns bewusst werden, dass wir das sind, die das aus uns selbst bewirken und dass wir die Einzigen sind, die das in uns auch wirksam verändern können, … indem wir selbstverantwortlich werden.