Modelle

 

Die Existenz der Seele ist eine Glaubenssache, die auf überkommenen Schilderungen von Vorstellungen beruht.

Von der Seele gibt es je nach Kultur und deren Glaubensvermächtnis eine oder viele Vorstellung(en), die der Mensch sich seit seiner Existenz und seiner Bewusstwerdung zusammengebastelt hat. Um sie "darzustellen" hat er ein paar erklärende Modelle aufgestellt, die er mit seinem Geist irgendwie fassen und in Emotionen und in Bilder umsetzen kann.


Diese Vorstellungen der Seele sind im Grund nur Fantasiegebilde, halt eben "nur Vorstellungen", es sind Modelle, anhand derer wir uns unsere erworbenen kulturellen und unsere hausgemachten Fantasien "bildhaft darstellen können".

zum Beispiel:


Bei der offiziellen Bekanntgebung eines großen Bauprojektes wird den geladenen Gästen gerne ein Miniatur-Modell dessen gezeigt und erklärt, was dereinst in „Wirklichkeit“ auf dem Baugrund entstehen soll, bislang jedoch nur in der Fantasie und Planung der Architekten existiert.

Die Kleidermode entsteht in der Fantasie der Modeschöpfer, indem die Letzteren Modelle entwerfen, die sie dann ihrem Käufer-Publikum vorführen lassen.

Wenn Gott nicht gerade das Universum verwaltet, einige alte Sterne aus- und ein paar neue anknipst und ein paar Milchstraßen aus dem Ärmel schüttelt, wenn er nicht gerade sinniert, welche seiner Erden-Kinder er heute ein Gemetzel gewinnen lassen soll, wenn er nicht gerade abwägt, ob er dich oder doch lieber mich heute zu sich oder zum Teufel beordern soll, ... sitzt er vielleicht gelangweilt grübelnd auf seiner Wolke und denkt sich ein Modell für eine neue Lebewesensart aus … vielleicht eine nach seinem Ebenbild und nach unserem Modell.

Bei der Seele, bei Gott und u.a. auch in unserem Reflexionen und unserem "Verstehen-wollen" geht es um Modelle, genauer um Denkmodelle.

Wir leben nicht nur in einem, nach unserem Empfinden „riesigen“ Modell, dem Universum, das wiederum aus vielen kleinen Universen(Modellen) beseht. Wir "denken" auch in/mit diesen Modellen. Wir begegnen dieser Vielfalt von Modellen dauernd und zwangsläufig in unserer Vorstellung und Empfindung dessen, was wir wahrnehmen, emotional empfinden und rational einordnen. Unser Gedächtnis hat zahllose Modelle parat, damit wir identifizieren, wiedererkennen, vergleichen, bewerten und einordnen können ... und uns darin wiederfinden können. 


Wenn wir etwas noch nicht einordnen können, erfinden wir flugs ein neues Modell, welches sich interaktiv und interdependent zu den schon vorhandenen gesellt. 

Die "Welt" ist ein Modell und besteht als vielen Modellen. Nur so ist es uns vergönnt, sie – jeder für sich – einigermaßen zu "schauen und sie sich - jeder nach seinem Modell - zu erklären".

Der Fundus, aus dem sich unsere Fühl- und Denkmodelle bilden, setzt sich – vereinfacht dargestellt - aus unserem „geerbten“ kollektiven Gedächtnis, unserem erworbenen Wissen, unserer Fantasie, unseren eigenen Erfahrungswerten und unseren Fähigkeiten des Empfindens, Wahrnehmens und Interpretierens zusammen. 


Jetzt werden Sie vielleicht sagen, dass diese Aufteilung auch nur ein Modell sei. Sie haben Recht.

Wir bewerten nach diesem Grund-Modell, … das je nach Prägung des Einzelnen anders ausfallen kann. Ergo bewerten wir auch unterschiedlich. Wir leben - jeder für sich - in unserer eigenen Wahrheit und erleben unsere eigene Wirklichkeit. Wir "erleben" unsere eigenen und unsere kollektiven Modelle. Wir leben in einem und wir gestalten unser Leben nach einem Modell. Wir brauchen ein Modell, um uns zu orientieren, um Zusammenhänge herzustellen und um Vergleiche ziehen zu können. Jeder für sich.


Wie wäre es sonst möglich, dass in ein und derselben Situation die Einen etwas anderes „sehen, fühlen, schmecken, riechen und hören“ als die Anderen? Wir antworten dann flugs: weil die Einen es aus einer anderen Perspektive schauen als die Anderen. Stimmt.


Eine andere Perspektive ist gleichzeitig ein anderes Modell. Und wieso ist es möglich, dass wir – wenn wir dann versuchsweise den Blickwinkel des Anderen einnehmen – trotzdem etwas Unterschiedliches sehen als er?

Wenn wir nur zu überschauen versuchen, was 7,3 Milliarden Menschen weltweit als Gott bezeichnen und wie sie dieses „Ding“ individuell interpretieren, werden wir feststellen, dass es sehr viele und sehr verschiedene Interpretations-Möglichkeiten gibt. Einige sind sich ein wenig ähnlich. Andere unterscheiden sich total von Ersteren und etliche sind ganz und gar inkompatibel mit allen anderen … zahllose Modelle und Metaphern zu einem einzigen „Ding“.


Und da laut Schöpfungsgeschichte einer dieser vielen facettenreichen Gotte die Menschen nach seinem Ebenbild erschaffen haben soll, ist es auch erklärbar, warum es soviele Menschenmodelle gibt.

 Wenn wir über die Seele reden, reden wir über „etwas“, das wir uns „vorstellen“ und dass wir glauben, dass es so sei. Wie es zu sein hat, darüber entscheidet unsere Vorstellung. Sie sagt uns, „wie es ihrer Meinung, ihrem Modell nach zu sein hat.“

Waren sich Plato und Aristoteles schon darüber im Klaren, dass auch die Seele ein Modell ist?
War sich James Prescott Joule bewusst, dass er quasi das Energie-Modell entdeckt hatte?
Denken die Entdecker der Hadronen und der Quarks – Lew Okun und Murray Gell - täglich daran, dass sie das Atom-Modell weiter entwickelt haben?

Die Energie, die Quarks und die Seele haben eines gemeinsam: sie sind für den Physiker, den Chemiker oder den Psychologen zwar „messbare“, jedoch nicht direkt "beobachtbare" Dinger, die man sich - bspw. in Form eines Cartoons oder einer Karikatur oder einer illustrierenden Graphik sehr gut "modellhaft" vorstellen kann. Wir modellieren sie nach den Vorgaben unserer Fantasie, unseren Vorstellungen.

Alle drei Wissenschaften gehen von den angenommenen Eigenschaften und Verhalten ihrer Interesse-Objekte aus und von den Erkenntnissen, die sich daraus für sie ergeben. Sie gehen von einer "modellierten Vorstellung" aus.
Der Psychologe betrachtet die Seele von einem ähnlichen Standpunkt aus wie der Physiker die Energie oder wie der Chemiker das Neuron. Alle drei gehen von einem Modell aus.

Sie müssen – jeder für sich – jedoch nicht an dieses Modell "glauben". Sie arbeiten damit und wenden es an, um mehr herauszufinden, .. vielleicht noch ein paar neue Modelle?

Gott unterscheidet sich als Modell in einem wichtigen Punkt von bspw. diesen drei Beispielen. Er, oder das Gott-Modell kann geglaubt werden. Oder, es kann nur als Denk-Modell dienen. Im Gegensatz zu der Energie, den Neuronen und der Seele kann das Modell Gott jedoch nicht gemessen werden.